Jens Dutzis Life

Linux, Server, Webhosting and more ;-)

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Ja ich weiß, die Überschrift ist provozierend gewählt. Es wundert mich nicht, dass dieses Thema in den letzten Tagen ein solche Dimension erreicht. Wenn man sieht, wie sehr sich die zumeist jugendlichen Internet-Nutzern für “ihre” Themen im Internet einsetzen, so darf einem die Auswirkungen nicht überraschen. Ein Vorteil hat es natürlich – Karlsdorf-Neuthard wird deutschlandweit bekannt ;-)

Aber zurück zum eigentlichen Thema. Mittlerweile hat der Verein Computerfreunde Karlsdorf-Neuthard e.V. ein Blog-System installiert um über den aktuellen Verlauf zu berichten. Man geht dabei auf die Spekulationen über den rechtlichen Rahmen der Absage ein und die Berichterstattung in der BNN.

Interessant in diesem Zusammenhang ist auch, dass am 29.August eine Demo von der Altenbürghalle zum Rathaus geplant ist.

Bezeichnend für den Fall ist auch, dass der Verein mehrfach die Presse und Politik, sowie die Polizei und örtliche Schulleitung eingeladen hat sich selber ein Bild von den Spielen und ein Dialog zu starten. Das Interesse an einem solchen Treffen wurde komplett abgelehnt. Ich frage mich dabei echt, wie viele der an der Absage beteiligten Personen  Counterstrike und Warcraft einmal selber tatsächlich gesehen haben. Damit meine ich die hier in Deutschland offiziell verkaufte und ab 16 freigegebene Version einmal gesehen haben.

Wobei ich ehrlich gesagt auch nicht verstehen kann, warum zwei Spiele, welche von der für die Prüfung zuständigen USK ab 16 Jahren (Counterstrike bzw. Counterstrike:Source) und ab 12 Jahren (World of WarCraft) freigegeben wurden ein Problem darstellen. Die Veranstaltung war ausschließlich für Volljährige Personen ab 18 Jahren freigegeben. Hier stellt sich natürlich die Frage, ob der für die Prüfung von der Bundesregierung beauftragte Verein nicht im Umkehrschluss versagt hat? Allerdings hätte auch die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien in diesem Fall versagt, da nur sie ein Spiel indizieren und damit in Deutschland verbieten dürfen.

Neuthard_Buergerplatz Zu meiner täglichen Lektüre gehört – natürlich – auch die Newsticker von heise online und Golem. Allerdings musste ich mir gestern Abend ziemlich die Augen reiben als dort eine Meldung über Karlsdorf-Neuthard (Karte) zu lesen war.

Was war passiert? Ein hier im Ort ansässiger Computerclub plante unter dem Namen “Convetion-X-Treme”, wie bereits in den letzten Jahren, eine kleine LAN Party für rund 400 Spieler. Nachdem augenscheinlich bereits alles mit der Gemeindeverwaltung und dem Bürgermeister Sven Weigt geklärt schien kam es in der eigentlich jungen und aufgeschlossenen Gemeinde zu einer kuriosen Wende.

Ähnlich wie in Stuttgart und Karlsruhe (eigentlich eine Technologie-Region) sah sich unser erst vor kurzem gewählter Bürgermeister dazu gezwungen die Veranstaltung abzusagen. Dabei lässt folgendes Zitat durchaus auf ein Druck durch den Minister des Inneren (Heribert Rech / CDU) schließen:

Auch unser Innenminister und der Städte– und Gemeindetag sprechen sich gegen solche Veranstaltungen aus.

Der Frust der Gamer dürfte Herr Weigt auf jeden Fall mit dieser Entscheidung auf sich gezogen haben. Allerdings dürfte es niemandem helfen, wenn man nun die Gemeinde mit Hass-Emails bombardiert.

Die Auswirkungen der Entscheidung dürften jedenfalls weitreichender sein, als sie auf den ersten Blick aussehen. Da der Verein für die Veranstaltung bereits alles organisiert hatte (Server, Technik, Lagermiete und vieles mehr) und für mehrere tausend Euro auch bereits Tickets an Personen in ganz Deutschland verkauft wurden dürften die unmittelbaren Auswirkungen für ihn weitreichend sein. Auf der Vereinseigenen Seite sieht man den Fortbestand des Vereins durch die Entscheidung auf jeden Fall gefährdet.

Allerdings begrenzen sich die Auswirkungen wohl nicht nur auf meine kleine 9000 Seelen-Gemeinde. In den Sommerferien finden regelmäßig in ganz Deutschland unzählige LAN-Partys in vielen kleinen Gemeinden statt. Mit der Entscheidung die LAN Party abzusagen könnten unsere Gemeindeverwaltung durchaus einen Präzedenzfall für andere Bürgermeister geschaffen haben.

Falls ihr euch fragt wie es der Fall in die deutschlandweite Presse schaffte, so ist die Antwort relativ einfach. Dank des “Piraten” Jörg Tauss kam diese kleine Geschichte aus Karlsdorf-Neuthard gestern in einer Sitzung des Bundestags auf.

Noch vielleicht etwas kurioses am Rande. Im August dieses Jahres findet hier in Karlsdorf-Neuthard noch eine andere Veranstaltung mit Zustimmung der Gemeinde statt. Dabei handelt es sich um ein internationales Jugend-Schützentunier des Schützenvereins Karlsdorf, welches auch auf der Gemeinde-Seite erwähnt wird. Ich denke, hier erübrigt sich jeder weiterer Kommentar …